Teamgefühl verbessern? Vielleicht seid ihr ja gar kein Team!
Man kann kein Teamgefühl erzeugen, wo gar kein Team ist
Wie können wir das Teamgefühl verbessern? Mit genau dieser Frage kam neulich eine Führungskraft auf mich zu. In der Abteilung arbeiten rund 50 Personen, geführt von fünf Teamleitungen und einer Abteilungsleitung. Früher war die Struktur klar: fünf Teams, jeweils mit einer zuständigen Teamleitung. Heute führen die fünf Teamleitungen die 50 Mitarbeitenden fachlich gemeinsam. Disziplinarisch bleibt zwar jede Teamleitung für einen kleineren Kreis zuständig, fachlich aber gilt: Jede Führungskraft ist für alle Mitarbeitenden ansprechbar.
Teamgefühl verbessern: Aber ist das überhaupt ein Team?
Die Beobachtung der Führungskraft und der Mitarbeitenden seit dieser Umstellung war deutlich: Die Stimmung hat sich verschlechtert. Und die Frage der Führungskraft lautete entsprechend: Was können wir tun, um das Teamgefühl zu verbessern?
Mein erster Gedanke: Nichts könnt ihr tun. Zumindest könnt ihr das Teamgefühl nicht verbessern, weil ihr nämlich überhaupt kein Team habt.
Genau da wird es aus meiner Sicht interessant. Denn viele Organisationen sprechen schnell von Teamgefühl, Teamkultur oder Wir-Gefühl, obwohl die Voraussetzungen dafür gar nicht gegeben sind. Ein Team braucht mehr als eine gemeinsame organisatorische Überschrift wie „Abteilung“. Es braucht direkte Zusammenarbeit, klare Rollen, ein gemeinsames Ziel, Verantwortung und eine Zugehörigkeit, die im Alltag auch wirklich erlebt wird. In einem Team braucht man einander, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen.
Warum sich Teamgefühl in grossen Gruppen schwer verbessern lässt
Bei einer Abteilung mit 50 Personen ist das schwierig. Nicht, weil die Menschen nicht motiviert wären. Sondern weil Strukturen ab einer gewissen Grösse automatisch unübersichtlicher werden. Verbindliche Beziehungen werden diffuser, Zuständigkeiten weniger klar und Zugehörigkeit kaum noch erlebbar. Was als moderne, flexible Führung gedacht war, kann so schnell ins Gegenteil kippen und zu weniger Orientierung und Klarheit führen.
Genau deshalb greift es zu kurz, in solchen Situationen einfach nach einem Teamworkshop oder einem Teamevent zu rufen. Wenn das eigentliche Problem in der Struktur liegt, lässt es sich nicht mit einem Teamworkshop lösen.
In der aktuellen Podcastfolge spreche ich genau über diesen Fall und gehe darauf ein, warum grosse Gruppen nicht automatisch Teams sind, weshalb unklare Führung schnell Zugehörigkeit zerstört und was Führungskräfte zuerst anschauen sollten, bevor sie am „Teamgefühl“ arbeiten.
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