Auf der Suche nach der richtigen Methode: Warum Kritik aushalten so verdammt schwierig ist und die bekannten Feedbacktipps allein es nicht besser machen

“Niemand mag Kritik”

Der Artikel “Die schwierige Kunst des Kritisierens” von Karen Wright in der “Psychologie heute” von April 2014 stellt es sehr treffend dar und ich versuche die wesentlichen Aspekte zusammen zu fassen:

Kritik bereitet Bauchschmerzen

Niemand mag Kritik, also negatives Feedback, hören. Obwohl jeder im Laufe seines Lebens zahlreiche Kritik erhalten hat und daran ja auch gewachsen ist und sich verbessern konnte, löst Kritik in uns eher ein Gefühl des Unwohlseins aus.
Das ist insofern erstaunlich, ist Kritik doch entscheidend für den Grossteil unserer persönlichen Entwicklung. Jede Art von Lernen beruht wesentlich darauf Fehler zu erkennen, zu analysieren und daraus Verbesserungen abzuleiten und umzusetzen.Und trotzdem mögen wir keine Kritik hören. Wir weichen aus und gehen sogar in den Widerstand. Selbst im Arbeitsalltag sind Leistungsbeurteilungen ein Graus und zwar sowohl für die Kritik gebende Führungskraft als auch für den zu beurteilenden Mitarbeitenden.Hier helfen auch die allseits bekannten Feedbackregeln nicht wirklich weiter:

  • Sprich in “Ich-Sätzen”
  • Fang mit etwas Positivem an, trage dann die Kritik vor und erwähne zum Abschluss nochmals etwas Positives (“Feedback-Burger”)
  • Kritisiere die Verhaltensweise, aber nicht die Person selbst
  • Keine Interpretationen
  • Usw.

“Menschen reagieren fast immer heftig auf Kritik, egal wie sie serviert wird.”

Natürlich kann man diese Hinweise anwenden, denn sie haben ihren Sinn und Zweck. Aber man kann es auch drehen und wenden wie man will. Wenn ich Kritik gegenüber nicht aufgeschlossen bin, dann höre ich selbst bei der süssesten Abmilderung noch einen knallharten Vorwurf heraus.

Bestimmte Hirnregionen reagieren viel sensibler auf negative Informationen als auf positive: Es gibt Belege für diese Negativausrichtung und “die meisten Menschen reagieren stärker auf Schlechtes als auf Gutes.” (John Cacioppo, Neuropsychologe an der Uni Chicago)

“Entscheidend ist die Angst vor Ausgrenzung.”

Peter Gray, Psychologe am Boston College, behauptet, dass die Angst vor Ausgrenzung oder dem Verlust von Zugehörigkeit (zu einer Gruppe) schuld ist an unserer Kritikempfindlichkeit. Dies habe mit unserem Evolutionserfahrungen und den Anfängen als Jäger und Sammler zu tun, in dem die Gruppenzugehörigkeit von lebensentscheidender Bedeutung war.

Aber auch in modernen Zeiten will der Mensch Teil eines Ganzen sein. Wer mag schon gern abseits oder gar ausgeschlossen dastehen?

Der springende Punkt, warum negatives Feedback als so unangenehm empfunden wird, ist also nicht der angesprochene Inhalt der Botschaft, sondern die Angst vor dem Ausgeschlossen- und Ausgegrenztwerden.

Was kann man nun aber tun, damit negatives Feedback eben nicht “weh tut”? Wie kann ich Kritik gestalten, so dass die “Ur-Angst” vor dem “Ausgestossenwerden” entschärft wird?

3 Tipps um Kritik erträglicher zu machen

In dem Artikel werden folgende, einfach umzusetzende Tipps genannt:
  • Beginnen Sie ein (Kritik-) Gespräch mit einer Frage. Dies hilft dem Gegenüber die Kritik anzunehmen, da er sich durch die Frage von Anfang an in den Gesprächsverlauf einbezogen fühlt.”Was sind deine Ziele?”; “Was möchtest du lernen?”; “Wie denkst du, kommst du bisher voran?”; “Wie hast du die Zusammenarbeit erlebt?”; “Wie erlebst du den Projektverlauf?”
  • Egal wie berechtigt die vorgetragene Kritik auch ist: Wird Kritik von jemanden vorgetragen, der selbst noch verärgert oder wütend ist, dann provoziert dies beim Gegenüber ein “Zumachen” aus Selbstschutz.Das ist der Grund, warum Sie als Führungskraft nochmal eine Nacht drüber schlafen und sich strukturiert auf ein Kritikgespräch vorbereiten sollten, denn so hat der Ärger ausreichend Zeit sich wieder zu legen.
  • Kritik annehmen fällt leichter, wenn Sie als Kritikgeber kein pauschales Urteil abgeben, sondern verschiedene Teilaspekte des beobachteten Verhaltens/der Situation beleuchten.Differenzieren Sie! Geben Sie möglichst konkrete Verbesserungshinweise und machen Sie auch deutlich, was genau Sie denn nun erwarten oder Ihrem Gesprächspartner vorschlagen! Je konkreter, desto besser!
Die Anwendung dieser Tipps sollte eine totale Blockade verhindern.

Auf dem Weg in die “Kuschel-Oase”?

Auf der anderen Seite dürfen wir uns auch nichts vormachen:
Kritik, egal wie sie vorgebracht wird, löst immer einen Reflex aus und der heisst “Verteidigung”.Ich denke, es wäre aber falsch, wenn wir es nun allen Recht machen wollten und deshalb wahre “Kuschel-Oasen” schaffen; Kuschel-Oasen, in denen sich niemand mehr traut, kritische Dinge offen und ehrlich anzusprechen.Wir dürfen schliesslich nicht vergessen, wozu eine differenzierte Kritik auch gut ist: der Mensch lernt und entwickelt sich weiter!

Und das ist doch fantastisch …

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